Bis zu 40 000 Euro Beitrag

Filmwirtschaft: Die Allianz deutscher Produzenten will eine starke Lobby sein

 

Birgit Walter

Von einem historischen Tag war die Rede nach der Gründung der Allianz deutscher Produzenten, Stolz und Zuversicht schwangen mit wie üblich bei so einem Schritt. Immerhin sind etliche andere Interessenverbände, darunter der Bundesverband der Fernsehproduzenten und Film20 darin aufgegangen. Doch die Dimension der neuen Allianz, die sich gestern der Presse vorstellte, lässt sich erst nach dem Studium der Beitragsordnung ermessen. Hier ist auf fünf Seiten bis ins Detail aufgeschlüsselt, wie teuer die Mitgliedschaft für den Prodzenten wird: Der Jahresbeitrag beginnt bei 5 000 Euro und geht bis 40 000 Euro, je nach Genre und Umsatz. Dazu kommt eine Aufnahmegebühr von 2 500 Euro. 40 000 Euro also dafür, dass die Vereinigung den Produzenten gegenüber der Politik sowie Fernsehanstalten und sonstigen Verwertern vertritt.

Arthouse und Kommerz

Erst angesichts der Summen wird klar, was für eine mächtige Lobby sich da gerade bildet. Sie braucht Geld für eine schlagkräftige Organisation, die sich erstklassige Leute leisten will, hochqualifizierte Türöffner. Das Jahresbudget für 2008 beträgt mehr als eine Million Euro. Auch das Zögern einiger Produzenten insbesondere aus dem Spielfilmbereich lässt sich dadurch einordnen - manchen wird die Mitgliedschaft einfach zu teuer sein. Dennoch sind nach den mehr als einjährigen Verhandlungen und immer wieder verschobenen Vereinigungsterminen - er sollte natürlich vor der Berlinale stattfinden - immerhin schon mehr als 70 Film- und Fernsehproduzenten und Organisationen Mitglied. Das ist nahezu die Hälfte.

Die Produzenten-Allianz ist in die Sektionen Kino, Fernsehen und Entertainment aufgeteilt. Der Bereich Entertainment - hier entstehen die Nachmittagsshows aller Sender, sowie Casting- und Ratesendungen - war offenbar am meisten begeisterungsfähig. 16 von 20 Produzenten sind bereits Mitglied, die anderen sollen auf dem Sprung sein. Die Sektion Fernsehen ist mit 30 Mitgliedern vertreten, wobei die Bavaria München fehlt. Die Sektion Kino hat bislang 25 Mitglieder, allerdings liegt die Gesamtzahl der Kino-Produzenten viel höher.

In der Wohngemeinschaft

Einig sind sich alle, dass sie eine offene "Allianz-Wohngemeinschaft" sein möchten ohne Grabenkämpfe und Ausgrenzungen, dass sie die gebündelten Interessen nach außen in jedem Fall einheitlich vertreten wollen. "In dieser politischen Erkennbarkeit liegt der Nutzen", sagte der am Montag frisch gewählte Vorsitzende Alexander Thies (Sektion Fernsehen). Uli Aselmann von der Kino-Sektion legt Wert darauf, dass Buntheit und Vielfalt erhalten bleiben, dass sowohl Arthouse als auch Kommerz vertreten sind. Holger Roost-Macias (Entertainment) machte klar, worüber überhaupt verhandelt wird: "Wir wollen etwas abhaben von der digitalen Verwertung unserer Produkte."

Es geht also wie beim jüngsten Streik in Amerika um Geld und um Rechte. Die Allianz will etwa darum kämpfen, dass Produzenten die Rechte an ihren Produkten und Formaten nicht zeitlebens an eine Fernsehanstalt abgeben, sondern nur befristet. In Deutschland hat sich das sogenannte Buy-out-Verfahren durchgesetzt, wonach sowohl Produzenten als auch Kreative wie Regisseure und Drehbuchautoren die Rechte an ihren Werken in Gänze den Fernsehsendern überlassen. Darum scheiterten auch stets die Verhandlungen über Urheberrechte zwischen Produzenten und Regisseuren: Die Produzenten können diese Rechte gar nicht einräumen, weil sie sie selbst nicht haben. Insofern begrüßen auch andere Lobbyisten wie der Regieverband diesen Schritt der Vereinigung.

Im Vorfeld wurden Befürchtungen kleiner Produzenten laut, der gewaltige Verband würde sie nicht adäquat vertreten. Die Allianz sagt: Im Gegenteil, die Großen zahlen viel und tragen die Kleinen mit. Was stimmt, wird die Praxis zeigen.

(Berliner Zeitung, 05.03.2008)

© 2017 Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen e.V.