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Presseschau

Alexander Thies: Partnerschaft mit Sendern nützt allen

27. August 2008
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Im Interview mit dem medienpolitischen Magazin Promedia (September-Ausgabe) beschreibt der Vorsitzende der Produzentenallianz, Alexander Thies, was die Allianz bisher erreicht hat, was demnächst auf der Agenda steht – und vor allem, wie es mit dem Verhältnis Sender–Produzenten angesichts der Diskussionen um den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag und der damit verbundenen Fragen nach digitaler Verwertung weitergeht. Alexander Thies beschreibt, warum die digitale Verwertung für die Produzenten so bedeutend ist und verweist auf „Jahrzehnte der Zusammenarbeit“, in denen es viele Beispiele für Kooperationen zum gegenseitigen Vorteil von Sendern und Produzenten gibt: „Deshalb bin ich optimistisch, dass wir auch für die digitale Verwertung solche Modelle finden werden

Wir bringen das Interview vorab im Wortlaut.

  • Produzenten-Allianz fordert von den TV-Veranstaltern Trennung von analogen und Online-Nutzungsrechten
  • Produzenten bieten Sendern Partnerschaftsmodell für die Verwertung der digitalen Rechte an
  • Online-Rechte sollen Eigenkapitalbasis der Produzenten stärken und Entwicklungskosten refinanzieren

„‚Rechte’ sind das Öl der Verwertungsmaschinen des digitalen Zeitalters“

  • Interview mit Alexander Thies, Vorsitzender der Allianz Deutscher Produzenten, Geschäftsführer Neue Filmproduktion (NFP)

Die Protokollerklärung zu § 6 des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages war für die neugegründete Allianz Deutscher Produzenten ein wichtiger Etappensieg, der auch die durch die Vereinigung entstandene Schlagkraft widerspiegelt. In der Protokollerklärung werden die öffentlich-rechtlichen Anstalten aufgefordert, in ihren Selbstverpflichtungen Aussagen zu treffen, die „Film- und Fernsehproduktionsunternehmen ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte gewähren“ sollen. Hierbei geht es vor allem um die digitalen Verwertungsrechte.

Die Produzenten hatten mehrfach darauf hingewiesen, dass die Sieben-Tage-Frist bei der Einstellung von Programmen in die Mediatheken, die keine ausschließlichen Eigenproduktionen der Sender sind, problematisch sei. Da die Sender darauf bestünden, dass die Abrufrechte von ihnen automatisch mit erworben werden, führe das bei einer weiteren Verwertung der Beiträge durch die Produzenten, z.B. für Pay-TV oder DVD-Angebote, zu einer Abwertung der Nutzungsrechte und zu unmittelbaren finanziellen Verlusten. Deshalb solle der Abruf von audiovisuellen Produktionen, die nicht als Eigenproduktion hergestellt werden, unzulässig sein.

Die ersten Gespräche zwischen ARD und ZDF fanden bereits statt, auch mit den privaten Sendern haben sie begonnen. Die Reaktionen der Sender auf die Forderungen der Produzenten fallen bisher eher reserviert aus. Deshalb verweist der Vorsitzende der Produzenten-Allianz Alexander Thies in einem promedia-Gespräch auf ein mögliches Partnerschaftsmodell: „Es existieren aus den Jahrzehnten der Zusammenarbeit viele Beispiele für Kooperationen zum gegenseitigen Vorteil von Sendern und Produzenten und deshalb bin ich optimistisch, dass wir auch für die digitale Verwertung solche Modelle finden werden. Die Voraussetzung ist aber, dass die Sender bereit sind, mit uns über grundlegend neue Verwertungsmodelle zu sprechen. Und diesen Willen sehe ich“, so Thies.

promedia: Herr Thies, was konnte die Allianz in den ersten sechs Monaten bewegen?
Thies: Die Produzenten-Allianz wurde im Markt akzeptiert und konnte wesentliche Vorbehalte in den eigenen Reihen ausräumen. Sie steht für die Verstärkung und Vereinfachung des konstruktiven Dialogs mit unseren Partnern. Sehr wesentlich für diese Akzeptanz in der Politik und in der Branche war die Fusion der Allianz Deutscher Produzenten mit der ARGE.

Unsere Dialogfähigkeit haben wir auch bei der FFG-Novellierung bewiesen, vor allem durch eine detaillierte und fundierte gemeinsame Stellungnahme, die wir mit der ARGE verfasst haben und die bei der Diskussion über die Novellierung des FFG in den nächsten Wochen eine wichtige Rolle spielen dürfte, da sie die Meinung der Mehrheit der deutschen Produzenten widerspiegelt. In der Debatte um den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag wurden wir als maßgeblich Betroffene zu den Anhörungen an den Tisch aller gewichtigen Interessengruppen gebeten. Dabei ist es uns gelungen, mit der Protokollnotiz zum Paragraf 6 des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages eine ernst zu nehmende Position zu verankern. Erstmalig werden hier die Sender aufgefordert, mit uns über die digitalen Verwertungsrechte zu verhandeln. Die ersten Gespräche mit ARD und ZDF z.B. zu den Mediatheken laufen bereits.

promedia: Wo liegen Ihre Schwerpunkte für die nächsten Monate?
Thies: Intern sicherlich in der Umsetzung der Fusion mit der ARGE, der Komplettierung unserer Organisation um den Hauptgeschäftsführer und darin, unseren Mitgliedern den konkreten Nutzen für sie zeigen zu können. Dazu möchten wir möglichst bald zu grundlegenden Vereinbarungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern zu den Mediatheken und damit auch zu einer Umsetzung der Protokollnotiz des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages kommen. Bis zum Jahresende wird uns auch das novellierte FFG beschäftigen, denn es soll ja am 1. Januar 2009 in Kraft treten und nach Möglichkeit die finanzielle Basis der Filmförderung weiter verbessern und an die Erfordernisse der digitalen Welt angepasst werden. 2009 läuft der Deutsche Film-Förder-Fonds aus. Unser Ziel ist es, eine Verlängerung um mindestens weitere drei Jahre zu erreichen. Bereits jetzt, sozusagen bei Halbzeit des laufenden Fonds, kann man eine mehr als positive Bilanz für die Filmwirtschaft ziehen.

Der Schutz des geistigen Eigentums ist ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt und nicht zuletzt stehen wichtige Tarifverhandlungen mit unseren Partnerverbänden an. Unser zentrales Anliegen besteht in der Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen die Produktionsunternehmen in Deutschland arbeiten.

promedia: Die Allianz hat drei Sektionen. Wo liegen die gemeinsamen Interessen?
Thies: In der Verbesserung der Rahmenbedingungen für alle Produzenten, das heißt in einer Verbesserung der Marktordnung zugunsten der Produzenten, der Anerkennung des Werts der Produzentenleistung und die Teilhabe an der aus unseren Produkten resultierender Wertschöpfung. Dazu gehört vor allem das Verständnis, das der Wert unserer Produkte sich nicht allein nach den Herstellungskosten bemisst sondern an deren Wertschöpfung und dass die Verwertungsrechte an unseren Produkten ureigenste Vermögenswerte der Produzenten darstellen.

promedia: Sie spielen damit an die laufende Diskussion mit den Sendern an. Wie ist gegenwärtig das Verhältnis zwischen den Produzenten und den Sendern?
Thies: Das Verhältnis ist auf den Erfolg ihrer Produkte ausgerichtet. Beide, Sender und Produzenten, befinden sich in einer „Schicksalsgemeinschaft“ im Ringen um das bestmögliche programmliche Angebot für den Zuschauer. Dabei sind die Sender die wichtigsten Nachfrager, Nutzer und Verwerter unserer Produkte im Auftrags-, Co-Produktions- und Lizenzbereich. Gleichzeitig weiten sie ihr Aktivitätsfeld immer mehr in die Bereiche Herstellung und Verwertung aus, integrieren sich also vertikal, was natürlich auch die Produzenten vor neue Herausforderungen stellt. Die Frage der Abgrenzung der Produktion zur Verwertung wird damit neu zu formulieren sein.

promedia: Wie sollte es sich zukünftig gestalten?
Thies: Der vorausschauende Dialog um die bestmögliche Bewältigung der Herausforderungen des Marktes in dem Verständnis, dass beide Seiten sich gleich brauchen, kann allein unser Ziel sein. Die Partnerschaft der analogen Jahrzehnte muss angepasst bzw. erneuert werden, keine Seite kann allein die Anforderungen der neuen digitalen Weltordnung schultern.

Die Märkte und deren Wertschöpfung müssen in der kommenden Zeit dabei genauso betrachtet werden wie die Konsequenzen der vertikalen Integration von Verwertern. Wir hoffen, dass sich das Verständnis stärker durchsetzt, dass die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen Herausforderungen darstellen, die man gemeinsam als Chance nutzen muss und kann. Es wird für die Sender nicht leichter, das Publikum zu erreichen, aber die gewachsene Par tnerschaft bietet die Möglichkeit, gemeinsam nach neuen Lösungen zu suchen. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten ihr großes Prä, eben diese langjährige Partnerschaft mit den Produzenten als Chance verstehen und entsprechend nutzen.

promedia: Warum setzen sich die Produzenten mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag auseinander?
Thies: Weil die Produzenten in dem Dialog um die Konsequenzen aus der digitalen Welt nicht früh genug präsent sein können, weil allein die rechtliche Diskussion die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Film-Märkte nicht berücksichtigt und weil diese existentielle Konsequenzen für uns mit sich bringen. Und natürlich, weil uns die Entwicklung unserer Senderpartner interessiert, sie betrifft uns ja auch.

Der Staatsvertrag wird den Auftrag für die öffentlich-rechtlichen Sender in der digitalen Welt, vor allem im Internet definieren. Dazu wird eine zusätzliche Verbreitung der bisherigen analogen Inhalte gehören. Die entscheidende Frage ist deshalb für uns, wie wir an dieser Verbreitung partizipieren. Die Herausforderungen der digitalen Welt machen eine Neuordnung der Funktionen aller Marktteilnehmer erforderlich, es geht nicht mehr in erster Linie um Sendelizenzen, sondern um den bestmöglichen Zugang zu verwertbaren Rechten an Sendungen. Diese Bewältigung dieser Herausforderung darf aber nicht auf Kosten bereits bestehender Märkte und deren Potentiale gehen. Aber genau das sehen wir nach den bisher vorgesehenen Regelungen. Wir brauchen mehr Markt, nicht weniger und unsere Entwicklungsmöglichkeiten dürfen nicht beschnitten werden.

promedia: Wie ist die Rechteverwertung für das Internet und die Mediatheken heute vertraglich geregelt?
Thies: Es wird von den Verwertern fast durchgängig eine Übertragung aller Rechte auch für eine digitale Nutzung erwartet – bisher ohne Gegenleistung und das obwohl der Rundfunkstaatsvertrag noch nicht geltendes Recht ist. Diese Übertragung der Online-Rechte an die Sender trocknet einen gewachsenen Markt aus. Online-Rechte sind Videorechte. Der Videomarkt bereitet sich auf die Nachfolge der DVD auch mit Mediatheken vor, auch zugunsten seiner Kunden. Wir wollen diese Nachfrage zur Amortisation unserer Investitionen in Produktionen nutzen. Wie aber können wir über unsere Produkte in diesem Markt verhandeln, unsere Investitionen darin zurückverdienen, wenn wir über diese Rechte nicht mehr verfügen? Für Produzenten entsteht hier ein schädliches Szenario, und damit aber auch für den Markt für audiovisuelle Produkte in Deutschland und letztlich auch für die Sender, Zuschauer und Verbraucher.

promedia: Was fordern Sie genau?
Thies: Der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag muss auch Sorge dafür tragen, dass die Spielregeln der digitalen Märkte für audiovisuelle Produkte die Interessen aller Marktteilnehmer berücksichtigen. Dazu gehört die Klärung der Frage, welche Verwertungsrechte überhaupt bei den Sendern verbleiben können und welche Konsequenzen ür die Kulturwirtschaft und die bereits bestehenden und sich gerade entwickelnden Film- und Programmmärkte damit verbunden sind. Zur Verwertung in Mediatheken dürfen die Online-Rechte für den Bereich Unterhaltung den Sendern nicht automatisch und ohne weiteres zugesprochen werden. Vielmehr muss das den Verhandlungen der beiden Partner vorbehalten bleiben, andernfalls führt das zu einer Wettbewerbsbehinderung der Produzenten, denn wir haben dann keine Verhandlungsmacht mehr. Das gilt auch für Rechte, die von den Rundfunkanstalten nicht ausgewertet werden dürfen. Wir brauchen auch weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten für unsere Leistung in unseren Märkten und eine Gleichbehandlung mit – auch internationalen – Wettbewerbern.

promedia: Warum schadet die Mediathek dem Produzenten – sie verursacht doch keine Kosten?
Thies: Mit der kostenlosen Rechteeinräumung für die Mediatheken werden die Produkte der Produzenten entwertet. Bei der Vergütung werden die Entwicklungskosten für TV-Movies, Serien usw., die zu 100 Prozent der Produzent trägt, nicht berücksichtigt. Diese Kosten lassen sich u.a. nur durch eine weitere Verwertung z.B. über DVDs refinanzieren. Bisher waren die DVD-Hersteller bereit, den Produzenten eine Garantiesumme für den Vertrieb zu bezahlen. Mit dem kostenlosen Abrufen aus den Mediatheken entfällt diese Garantie, das führt zu signifikanten Ertragsausfällen bei den Produzenten. Auch bei einer weiteren Verwertung auf andere Plattformen sind unter diesen Umständen nur geringere Einnahmen zu erzielen, wenn überhaupt. Gleichzeitig erschließen sich aber die Sender neue Erlösmöglichkeiten.

promedia: Wo sehen Sie denn überhaupt Chancen, auch als kleiner oder mittelständischer Produzent solche Rechte zu verwerten?
Thies: Wir sehen Chancen im internationalen Rechtevertrieb, im deutschen Video-Markt, aber auch in Zusammenarbeit mit neuen Playern im Internet wie Telcos und Verlagen. Es besteht eine wachsende Nachfrage nach deutschen TV-Produktionen. Auch Community-Portale wie MySpace zeigen zunehmend Interesse an Serien. Hier entsteht ein neuer Zweit- oder Drittverfügungsmarkt. So ist z.B. denkbar, dass die TV-Erstausstrahlung zwar bei einem TV-Sender erfolgt, die Zweitausstrahlung aber z.B. auf einem Frauenportal. Hier müssen wir freie Hand haben, selbst über die weitere Verwertung zu entscheiden. Früher hießen unsere Produkte „Produktionen“ heute sind es „Rechte“, sie sind das Öl der Verwertungsmaschinen des digitalen Zeitalters und ohne Öl laufen die Maschinen nicht mehr lange. Das war früher anders, weil es weniger Alternativen gab, da bestimmten die technischen Reichweiten das Geschäft. Heute suchen alle Verwerter den Zugang zu interessanten audiovisuellen Produkten.

promedia: Wie reagieren die Sender auf Ihre Vorstellungen?
Thies: Mit Gesprächsbereitschaft. Nach mehreren Gesprächen, die wir in den letzten Wochen bereits mit ARD und ZDF geführt haben, habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie sich der Aufforderung aus der Politik, mit uns einen fairen Interessensausgleich herzustellen, nicht verschließen werden. Sender und Produzenten sind und bleiben Partner bei der Herstellung eines attraktiven, auf die Interessen der Zuschauer ausgerichteten Programms. Daran ändern auch die veränderten Verwertungsbedingungen in der digitalen Welt nichts. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir mit den Sendern einen Weg finden werden, der die digitalen Verwertungsnotwendigkeiten für die Produzenten besser berücksichtigt als bisher.

promedia: Man hat dennoch den Eindruck, dass die Sender diese Gespräche nur widerwillig führen. Ist das Abblocken nicht aus Sendersicht verständlich?
Thies: Zum einen ja, denn die Rahmenbedingungen haben sich auch für die Sender grundlegend verändert. So muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk stärker als früher die Legitimität der Gebührenfinanzierung verteidigen und der private Rundfunk hat zunehmend Probleme mit der Werbefinanzierung.

Zum anderen ist es nicht verständlich, denn eine Verweigerung der Sender, die Produzenten an einer digitalen Verwertung partizipieren zu lassen, käme einem Phyrrussieg gleich. Denn die Sender schwächen damit die Partner, die sie im Kampf um die Gunst des Publikums benötigen: die Produzenten.

promedia: Womit können und wollen Sie die Sender überzeugen, ihre Position zu verändern?
Thies: Die Stärke und der Erfolg der deutschen TV-Sender resultiert zum großen Teil aus der Stärke der deutschen Produktionswirtschaft. Warum sollten sich die Sender die Basis für ihre Erfolge selbst zerstören? Wir setzen vor allem auf die Kraft der Einsicht, dass man nicht gegen die Marktmechanismen agieren kann, will man sich nicht selbst beschädigen. Man darf ja nicht vergessen, dass die Finanzkraft der Sender nicht größer wird und die Produzenten sich zunehmend finanziell und damit auch am Risiko der Produktionen beteiligen. Dieser Trend wird sich noch verstärken. Es ist natürlich auch im Interesse der Sender, auch künftig hochwertige Produktionen zu sichern. Das funktioniert aber nur, wenn die Produzenten auch über eine ausreichende Eigenkapitalbasis verfügen, indem sie z.B. ihre Produkte selbst digital verwerten können. So schließt sich der Kreis.

Es existieren aus den Jahrzehnten der Zusammenarbeit viele Beispiele für Kooperationen zum gegenseitigen Vorteil von Sendern und Produzenten und deshalb bin ich optimistisch, dass wir auch für die digitale Verwertung solche Modelle finden werden. Die Voraussetzung ist aber, dass die Sender bereit sind, mit uns über grundlegend neue Verwertungsmodelle zu sprechen. Und diesen Willen sehe ich.

promedia: Der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag hat die Sender zu Gesprächen zu den digitalen Rechten aufgefordert. Reicht dieser Fingerzeig der Politik aus?
Thies: Wir haben die Hoffnung, dass der Hinweis ausreicht. Er ist zumindest ernstgemeint. Die Politik hat damit gezeigt, dass sie weiterhin ein Interesse an einem starken und qualitativ hochwertigen öffentlich-rechtlichen Fernsehen und andererseits auch an einer starken Fernsehwirtschaft hat. Das ist verständlich, geht es doch auch um die Investitionen der Länder in ihre Standorte und das waren ja bisher schon ganz erhebliche Mittel, mit denen Studios und Produktionsunternehmen gefördert worden sind. Es geht auch um Jobs und Steuereinnahmen, und woher sollen die kommen, wenn nicht von den produzierenden Unternehmen?

promedia: Angenommen, Sie kommen zu keiner Einigung mit den Sendern, welche Konsequenzen hat das für die Film- und Fernsehwirtschaft in Deutschland?
Thies: Das wäre katastrophal. Für die Produzenten, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber auch für den Kulturstandort Deutschland. Deshalb möchte ich die Frage, da wir ja von einer Einigung ausgehen, positiv beantworten: Eine Einigung würde eine Stärkung der Produzenten-Eigenkapital-Basis, eine verbesserte Investitionsfähigkeit und damit hochwertige Programme für die Sender bedeuten. Wenn Leistung sich wieder lohnt und Investitionen wieder verzinsbar sind, dann haben alle etwas davon, vor allem die Zuschauer. (HH)

Aus: Promedia Nr. 9/2008, S. 48-50 – Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Promedia-Verlags

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