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Presseschau

Debatte um die Zukunft des Kinos / Steigende Zahl von Dokumentarfilmen / Forderung nach Anreizsystem und Zukunftsfonds

6. November 2017
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In einem Interview mit Felix Bruder, Geschäftsführer der AG Kino – Gilde e.V. auf medienpolitik.net, betont dieser auf die Frage,  ob Arthouse-Filme für die deutschen Produzenten vielleicht nicht mehr attraktiv seien, weil deren Refinanzierung schwierig sei.."Bei der jedes Jahr steigenden Zahl von deutschen Produktionen, davon der größte Teil Arthouse und immer mehr Dokumentarfilme, sehe ich nicht, dass Produzenten das Filmemachen unattraktiv finden. Zumal sie sich im deutschen Fördersystem ja auch wenig Gedanken um die Refinanzierung machen müssen. Dieses Risiko tragen ja in erster Linie die Kinobetreiber und Verleiher. Wenn man sich die ComScore Auswertungen anschaut, dann steuern die Mitglieder der AG Kino – Gilde bei vielen deutschen Filmen zwischen 60 und 80 Prozent aller Zuschauer bei. Bei Dokumentarfilmen zum Teil sogar noch mehr und über sehr lange Auswertungszeiträume."
Weiterhin betont Bruder, dass er für den Arthouse-Bereich nicht sagen könne, dass "2016 so wenig Menschen in die Lichtspielhäuser wie seit 20 Jahren nicht mehr" gegangen seien. Bruder: "Dieser Rückgang betrifft in erster Linie das Blockbuster-Kino. Deutschland hatte letztes Jahr gegen den internationalen Trend insgesamt sehr schlechte Besucherzahlen. Vielleicht lassen sich die Menschen hier ja nicht so leicht von der x-ten Fortsetzung einer Story oder einer internationalen Marketingkampagne verführen. Für den Arthouse Bereich kann ich nur sagen, dass sich Qualität auch weiterhin durchsetzt. „Toni Erdmann“, „Vor der Morgenröte“ oder „Tschick“ sind Beispiele dafür. Davon bräuchten wir viel mehr."
Und zur Konkurrenz durch neue Plattformen wie netflix und Amazon betont er: "Alle Kinos müssen sich heute in einer riesigen Medienflut verorten. Das Besondere ist aber, wenn Kinos mehr als bloße Abspielstätten von Filmen sind. Wenn sie Orte der Kultur und des Austausches werden, wenn sie mit Rahmenprogrammen, Reihen und Sonderveranstaltungen mehr bieten, als das Internet. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass Menschen immer das Bedürfnis haben werden, sich an echten Orten zu treffen und gemeinsam etwas zu erleben."
Weiterhin fordert er ein „anreizorientiertes Programm zum Ausbau der Kinovielfalt“ sowie einen „Zukunftsfonds zur Verbesserung der Infrastruktur der Kinos in Deutschland“ Bruder: "In Bezug auf Programm und Inhalte brauchen wir ein Anreizsystem, damit Kinos eben mehr tun, als Blockbuster abzuspielen. Ein reines Arthouse-Programm, die Gestaltung von Filmreihen, Gespräche mit Filmschaffenden, die medienpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. All das machen die Mitglieder der AG Kino – Gilde und gehen dabei oft ein hohes finanzielles Risiko ein. Aber immer mehr stellen sich die Frage, wie lange sie sich das noch leisten und vor allem mit den vorhandenen personellen Mitteln stemmen können. Wir stellen uns hier ein System nach dem Vorbild des französischen „classement art et eassai“ vor, das mit einem Punktesystem die Kinos belohnt, die sich besonders um Programmvielfalt bemühen. Das ganz Interview frei zugänglich: „Uns fehlen Filme für Jugendliche“

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