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Presseschau

Filmproduzent Stefan Arndt mit Kritik am Geschäftsmodell von Netflix: Produzent und Kreative müssen beteiligt werden / Ich mache mir wirklich Sorgen um das Kino

19. November 2018
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Stefan Arndt, Geschäftsführer der X-Filme Holding und einer der Väter und Produzenten der Serie „Babylon Berlin“ sagt im Interview zu verschiedenen Themen mit Pro Media (Ausgabe 12/2018, S. 51-54), dass die deutsche Filmindustrie glaube, dass das „Filmemachen schon wahnsinnig aufregend“ sei, „aber die Veränderungen, auf die wir uns einstellen müssen, sind globaler Natur.“ Plattformen könne man „nur mit starken Partnern etwas entgegensetzen“. Für Arndt steht fest, dass es „einen Wandel von der Macht der Verwerter zur Macht des Contents, der aber durch die Verwerter an das Publikum gebracht wird“ gibt. Zur Zusammenarbeit wichtiger Player äußert er, dass er sich eine Kooperation zwischen ARD und ZDF ebenso wenig vorstellen könne wie zwischen RTL und ProSieben. Arndt kritisiert, dass Netflix häufig „auf weltweiten Verwertungsrechten zulasten der Produzenten“ bestehe, konkret: „Warum muss eine Plattform, wenn sie sich an etwas beteiligt, 100 Prozent der gesamten Weltverwertungsrechte haben? Warum muss Netflix nicht die Zuschauerzahlen ihrer Filme offenlegen?“. Hier sieht der Produzent Änderungsbedarf. Arndt stellt für X-Filme klar, dass die Streamingplattform Netflix heute agiere „wie früher ARD und ZDF: Wer zahlt schafft an, alle Rechte zu mir.“ Und er stellt die Frage: „Aber warum sollten wir zum Schaden der deutschen Filmwirtschaft das Rad wieder zurückdrehen?“

Kino und Kinoverwertung hätten Probleme konstatiert er weiter, und er mache sich „wirklich Sorgen“. Es sei zwar der Ort, „wo die Premiummarke des fiktionalen Films präsentiert werden sollte“, aber es müsse sich jetzt auch noch einmal neu erfinden, gegenwärtiger, ein besonders emotionaler Ort werden. Mit der aktuellen respektierten Besucherzahl von 100.000 bis 150.000 Besuchern pro Film könne „man noch nicht einmal die Verleihkosten zurückzahlen, geschweige denn die Filmförderung.“ Daher verdiene der Produzent daran auch kein Geld.

Pro Media (Ausgabe 12/2018, S. 48/49), print

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