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Presseschau

Matthias Esche zur Produzentenallianz: „Mitgliederversammlung ist der Souverän“

5. März 2010
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Im Interview mit Blickpunkt:Film spricht Bavaria-Geschäftsführer Matthias Esche über die Gründe für den Beitritt zur Produzentenallianz, die Zukunft des „Altproduzentenverbandes“ und die Fortsetzung der Verhandlungen über das Verhältnis der Produzenten zu den Auftraggebern: „Wir begrüßen sehr, was dort bislang erreicht wurde.“

Zum Interview auf den Seiten von Blickpunkt:Film: Matthias Esche zum Allianzbeitritt der Bavaria

Das Interview aus Blickpunkt:Film Nr. 10/2010 vom 8. März (Seite 13) im Wortlaut:

Matthias Esche zum Allianzbeitritt der Bavaria

„Enorme Entwicklung“

München – Auch wenn die angestrebte „enge Kooperation“ zwischen den beiden Verbänden vom Tisch ist: Seit Januar zählt die Bavaria Film, ehemals größtes Unternehmen in den Reihen des Altproduzentenverbands, zu den Mitgliedern der Produzentenallianz. Bavaria-GF Matthias Esche rückte Mitte Februar in ihren Vorstand auf.

Rund zwei Jahre nach Gründung der Allianz deutscher Produzenten ist nun auch die Bavaria Film dem Verband beigetreten. Ein lange überlegter Schritt?
Es ist für uns in der Tat ein großer Schritt, dem lange und intensive, vor allem aber auch vertrauensvolle Gespräche vorangegangen sind. Ich habe in der Vergangenheit mehrfach dargestellt, wieso wir einem Beitritt skeptisch gegenüberstanden, das muss man heute nicht wiederholen. Die Allianz hat sich seit ihrer Gründung enorm entwickelt. Gerade ihre Strukturreform hat uns Vertrauen in geordnete und straffe Abläufe gegeben, bei denen die Mitgliederversammlung als höchster Souverän agiert. Vergessen sollte man auch nicht, dass die beiden Verbände schon seit geraumer Zeit Hand in Hand an gemeinsamen Zielen gearbeitet haben, zum Beispiel in gemeinsamen Kommissionen bei Tarifverhandlungen. Somit konnten wir uns ein gutes Bild von der Arbeit innerhalb der Allianz machen.

Was gab letztlich den Ausschlag für den Beitritt?
Besonders wichtig ist uns, dass die Mitgliederversammlung der Souverän ist und dort auch die kleinen Unternehmen Gehör finden und Einfluss geltend machen können. Entscheidend war auch die Strukturreform und damit einhergehend eine überschaubare Budgetplanung der Allianz. Ausschlaggebend war selbstverständlich die Arbeit selbst. So hat sich beispielsweise in den Verhandlungen um die Rechte der Produzenten die von uns stets geforderte pragmatische Sichtweise durchgesetzt, die flexiblere Lösungen erlaubt und reine Auftragsproduktionen nicht ausschließt. Zudem haben wir uns in Bayern auch grundsätzliche Gedanken über die branchenpolitische Zentrierung auf Berlin gemacht. Die Gründung einer Münchner Geschäftsstelle mit eigenständigem Aufgabenbereich ist aus unserer Sicht standortpolitisch wichtig und hat uns die Entscheidung für einen Beitritt sehr erleichtert.

Gleichzeitig verlief die Entwicklung im Verband Deutscher Filmproduzenten nicht wie geplant?
Es ist uns dort leider nicht gelungen, in einem Maß neue Mitglieder zu gewinnen, wie dies aufseiten der Allianz der Fall war. Gleichzeitig arbeitete man ohnehin bereits an gemeinsamen Zielen. Letztlich waren die Bedingungen für einen Beitritt optimal. Es galt für uns, die Gunst der Stunde zu nutzen.

Ursprünglich sollte ja der komplette Altproduzentenverband näher an die Allianz heranrücken. Weshalb sind diese Pläne gescheitert?
Es lag ein unterschriftsreifer Vertrag zwischen den Altproduzenten und der Allianz vor. Die Mitglieder des Altproduzentenverbands haben allerdings kurz vor der geplanten Vereinbarung die Vorstandsmitglieder, die den Vertrag ausgearbeitet haben, mit knapper Mehrheit abgewählt. Damit war die Geschäftsgrundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr gegeben. Der Altproduzentenverband wird dadurch wohl in die Bedeutungslosigkeit zurückfallen.

Wird sich die Bavaria Film weiterhin im Altproduzentenverband engagieren?
Da die angestrebten vertraglichen Regelungen zwischen den Verbänden nicht zustande gekommen sind, hat die Bavaria Film mit ihren Tochterfirmen ihre Mitgliedschaft bei den Altproduzenten gekündigt. Neben mir ist ja auch Michael von Wolkenstein in den Gesamtvorstand gewählt worden. Das filmpolitische Engagement der Bavaria Film Gruppe findet nun ausschließlich in der Allianz statt.

Was erwartet man sich von der Arbeit innerhalb der Allianz?
Wir alle wissen, wie mühsam das Tagesgeschäft ist. Selbstverständlich hoffen wir aber auf weitere Fortschritte in den Verhandlungen über das Verhältnis der Produzenten zu den Auftraggebern. Wir begrüßen sehr, was dort bislang erreicht wurde. Der Sachverstand und das Netzwerk, das wir einbringen – gerade mit Blick auf die öffentlich-rechtlichen Sender hat unsere Stimme ja durchaus Gewicht –, werden hoffentlich dazu beitragen, die Verhandlungen noch fruchtbarer zu gestalten. Ansonsten wird uns wohl in nächster Zeit auch das Verhältnis zu den Verleihern beschäftigen – und nicht zuletzt die Sicherung der FFA. Hier setze ich natürlich auf vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden der Filmwirtschaft. mab

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Entertainment Media Verlags.

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