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Presseschau

Ostdeutschland und die Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks | Interview mit MDR-Intendantin Wille

16. September 2019
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Unzufriedenheit sowie Anerkennungsdefizite und Geringschätzung des Lebens in der DDR seien Befunde in den neuen Ländern, die seit fünfzehn bis zwanzig Jahren bekannt sind. Geht es nach Hans-Jörg Stiehler, emeritierter Professor für Empirische Kommunikations- und Medienforschung, hätten die Medien in Ost und West darauf kaum reagiert. Unter der MDR-Intendantin Karola Wille habe der MDR hier allerdings bereits gehandelt – Unterhaltung wurde reduziert, Information erhöht. „Wir sehen es als unseren Programmauftrag an, die Lebensleistung, die Erfahrungen, Erlebnisse, aber auch die Widersprüche im Alltag der Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in allen Facetten zu beschreiben“, so Wille. „Die Zuschauer im MDR-Sendegebiet honorieren die Bemühungen durchaus. Der MDR findet seit fast zwanzig Jahren, bezogen auf die Reichweite im Sendegebiet, die höchste Akzeptanz aller dritten ARD-Programme.“ Zumeist herrsche jedoch eine verzerrte Sicht auf ostdeutsche Themen vor. Dabei habe der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine größere Verantwortung als andere Medien, aktiv zum Zusammenwachsen von Ost und West beizutragen.“

Titel: Die Stimme des Ostens ist oft recht leise von Helmut Hartung in faz.de am 12.09.2019 (nicht kostenfrei zugänglich)

Zudem hat Autor Helmut Hartung zum Thema ein Inteview mit Karola Wille geführt. Auf die Kritik an der ARD, dass ostdeutsche Positionen und Themen zu wenig vertreten seien, und dies möglicherweise ein Erstarken der AfD zur Folge hatte, erklärt Wille: „Zwischen 2017 und 2018 haben sich die Beiträge aus unserem Sendegebiet in „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ zum Beispiel verdoppelt. Zusätzlich ist das Themenspektrum vielfältiger geworden. Zur Wahrheit gehört auch, dass nach einschlägigen Untersuchungen bei der Berichterstattung über Ostdeutschland in den Medien über viele Jahre hinweg insgesamt Themen wie Armut, Rechtsradikalität und das Gefühl, „abgehängt zu sein“, dominierten.“ Diese negativen Wertungen hätten Spuren hinterlassen. Der MDR habe allerdings einen speziellen Bezug zum Osten und verstehe sich weiter als Sprachrohr dessen. Ddas Zerrbild Ostdeutschlands zu korrigieren, heißt auch in den überregionalen Angeboten die regionale Kompetenz und örtliche Perspektive überzeugender darzustellen, die kulturelle Vielfalt, die wirtschaftlichen Leistungen und die touristischen Highlights sichtbar zu machen, so Wille.

Titel: Die negativen Urteile über den Osten haben Spuren hinterlassen von Helmut Hartung auf faz.de am 14.09.2019 (nicht kostenfrei zugänglich)

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