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ZDF strebt „besseren Cashflow“ für Produzenten an

19. Februar 2010
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epd Medien über ZDF-Programmchef Bellut bei Produzentenallianz-­Mitgliederversammlung: „ZDF will Produzenten schneller honorieren“ / Gespräche über Erlösbeteiligung – Der Beitrag im Wortlaut:

Bellut: ZDF will Produzenten schneller honorieren

„Besserer Cashflow“ angestrebt – Gespräche über Erlösbeteiligung

Berlin (epd). Das ZDF will externe Produktionsfirmen schneller mit Geld ausstatten als bisher. Das stellte Programmdirektor Thomas Bellut am 11. Februar auf der Jahresversammlung der Produzentenallianz in Berlin in Aussicht. Außerdem teilte er mit, dass das ZDF an den Produktionskosten spare und künftig voraussichtlich weniger Aufträge erteilen werde.

Bellut sagte, sein Sender wolle bei Auftragsproduktionen einen „besseren Cashflow gewähren“. Dafür plane das ZDF, in Zukunft bereits unmittelbar mit der Auftragsvergabe 20 Prozent des vereinbarten Budgets an die Unternehmen auszahlen. Bei Drehbeginn würden den aktuellen Plänen zufolge weitere 40 Prozent folgen. Bellut: „Wir werden alles nach vorne schieben.“

Wie der Programmdirektor weiter sagte, hat das ZDF im Jahr 2009 etwa 553 Millionen Euro in den freien Produzentenmarkt investiert. Zehn Jahre zuvor seien es lediglich 350 Millionen Euro gewesen. Bellut kündigte jedoch mit Blick auf die prognostizierten Gebührenausfälle an, dass diese Steigerungsrate bei allen öffentlichrechtlichen Sendern zu Ende sei: „Wir sind hier ,on the top’, es wird eher wieder runtergehen.“

Das Volumen für Auftragsproduktionen sei bereits im vergangenen Jahr nicht gestiegen, erklärte Bellut. Das ZDF habe bei gleichem Budget insgesamt 19 Prozent mehr Sendeminuten eingekauft. Der Trend zum kostengünstigen Produzieren sei aber endlich. Der Weg, den RTL insbesondere bei den Nachmittagsstrecken vorangetrieben habe, könne das ZDF nur zum Teil nachgehen. „Ein kompletter Systemwechsel ist bei uns nicht zu erwarten“, so Bellut.

Derzeit verhandelt Bellut mit der Produzentenallianz über Regeln für die Aufteilung von Verwertungserlösen, die der Sender etwa mit der Auslands-Lizenzierung oder dem Einzelverkauf von Auftragsproduktionen einnimmt. Im Dezember hatte bereits die ARD mit der Produzentenallianz Eckpunkte für ausgewogene Vertragsbedingungen vereinbart (epd 96/09). Diese regeln unter anderem, dass Erlöse aus On-Demand-Rechten oder dem Verkauf von DVDs zur einen Hälfte an die Produzenten fließen und zur anderen Hälfte beim Sender bleiben. Das Papier steht jedoch unter dem Vorbehalt, dass das ZDF vergleichbaren Konditionen zustimmt.

Verwertungsrechte

Bellut beteuerte in Berlin, seine Revision habe für die Jahre 2003 bis 2007 festgestellt, dass nach Abzug aller Kosten nur zehn Prozent aller Vertriebserlöse beim ZDF hängengeblieben seien. Dies sei „erschreckend“ und könne nicht hingenommen werden. Genauere Angaben dazu machte Bellut nicht. Der Produzentenallianz schlug er für die Zukunft vor: „Unser Angebot ist, dass die Erlöse zur Hälfte bei den Produzenten und zur Hälfte bei den Produzenten hängenbleiben.“

Uneins mit Bellut zeigte sich der Vorstand der Produzentenvereinigung jedoch in der Frage, was mit Verwertungsrechten passiere, die vom Sender einige Jahre lang nicht genutzt würden. Das ARD-Papier sieht vor, dass diese Rechte nach fünf Jahren wieder von den Produzenten genutzt werden können – gegen eine Erlösbeteiligung für den Sender. Das ZDF will diese Möglichkeit offenbar nicht gewähren.

Der Geschäftsführer der Produzentenallianz, Christoph E. Palmer, sagte in Berlin zu Bellut: „Wir werden Ihnen keinen Vertrag vorlegen, der in der Substanz hinter dem zurückliegt, was wir mit der ARD vereinbart haben.“ Im Zweifel werde mit dem ZDF „härter und länger“ verhandelt als mit der ARD. Die ARD sei mit dem Eckpunktepapier zu einem großen Schritt bereit gewesen, jetzt müsse das ZDF folgen.

Auch der Bundesverband Regie (BVR) will das ZDF in die urhebervertragsrechtliche Verantwortung nehmen. Wie der Verband bei der Mitgliederversammlung am 16. Februar in Berlin mitteilte, hat er beim Oberlandesgericht München die gerichtliche Einsetzung eines Vorsitzenden der Schlichtungsstelle beantragt. Das ZDF habe sich den Bemühungen um die Einrichtung einer Schlichtungsstelle zur Aufstellung einer Gemeinsamen Vergütungsregel nach § 36 a des Urheberrechtsgesetzes bislang verweigert. Auch die Versuche, mit den Produzentenverbänden Gemeinsame Vergütungsregeln zu verhandeln, seien gescheitert. dan/dir

Erschienen in epd Medien Nr. 12 vom 17. Februar 2010. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von epd Medien.

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