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Update

Infoblatt 36 zu Corona: COVID-19-Arbeitsschutzstandards in der Filmproduktion V – Aktualisierte Handlungsempfehlungen der BG ETEM (Stand: 21.07.2020)

24. Juli 2020
Thema
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Geschäftsstelle Berlin
T 030 20670880
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Liebe Mitglieder,

angefügt übermitteln wir Ihnen die „SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard –Empfehlungen für Filmproduktionen“ der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse BG ETEM (Köln), Stand 21.07.2020, die gestern veröffentlicht wurden. Sie wird von der BG ETEM in ihrer Kommunikation „Handlungshilfe“ genannt (Anlage 1).

Die neue Fassung der Handlungshilfe enthält im Vergleich zur bisherigen Handlungshilfe eine Vielzahl von Erleichterungen. Der Kern der Neuregelung sind drei Schutzstufen – hier grob skizziert:

  1. Wenn am Set zwei (gleiche) Personen nur kurz (weniger als ca. 15 Minuten am Tag) den Mindestabstand unterschreiten und wenn sie sich dabei aber nicht intensiver begegnen (z.B. Küssen, Umarmen, Face-to-Face-Gespräche unter einer Armeslänge usw.), reichen allgemeine Hygieneregeln und Eingangskontrollen mit Abfrage nach Corona-Symptomen aus.
  2. Wenn die jeweiligen Personen länger Kontakt miteinander haben, ohne den Mindestabstand wahren zu können, kommen in der zweiten Stufe zwei Corona-Tests pro Woche hinzu.
  3. Bei der dritten Stufe (Drehszenen mit engen/intimen Kontakten wie Küssen, gemeinsam Tanzen oder Kämpfen oder in besonders engen und schlecht zu lüftenden Räumlichkeiten) steigen die Sicherheitsanforderungen erneut: Die betroffenen Personen müssen fünf Tage vor den entsprechenden Szenen in eine sog. „Schutzzeit“. Das bedeutet, dass sie in dieser Zeit nur „kontrollierte Kontakte“ zu anderen Menschen haben dürfen, z.B. dürfen sie in diesen Tagen nicht ins Schwimmbad. Wenn in diesen Tagen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, etwa beim Reisen, muss zudem eine FFP2-Schutzmaske (oder höherer Schutzstandard) getragen werden.

Sowohl die Einführung der Schutzstufen und die Abschaffung der Quarantäne zugunsten einer abgeschwächten „Schutzzeit“ bieten erhebliche Erleichterungen und Flexibilisierungen bei den Dreharbeiten, sowohl bei fiktionalen als auch bei non-fiktionalen Genres.

Die Änderungen gehen zurück auf ein medizinisch-epidemiologisches Gutachten, das im Auftrag der Produzentenallianz erstellt wurde. Ein Dank geht an die acht Unternehmen, die sich an der Finanzierung beteiligt hatten und an die kleine AG Gutachten, bestehend aus Stefan Oelze, Tim Greve, Oliver Castendyk und Juliane Müller, die mit den beiden Professor*innen der Universität Saarbrücken das neue Konzept für die BG ETEM entwickelten. Das Konzept enthält auf Basis einer Bewertungsmatrix zwei wesentliche Neuerungen: (1.) das flexible Schutzkonzept und (2.) die Möglichkeit, die (Quasi-) Quarantäne durch Tests zu ersetzen. Die neue Handlungshilfe der BG ETEM hat die erste Neuerung übernommen, die zweite (Tests statt Quarantäne) teilweise: Die bisherige (Quasi-) Quarantäne wurde zu einer „Schutzzeit mit Kontaktreduzierung“ abgemildert. Einfluss auf die neue Handlungshilfe hatte auch die Initiative „WirSind1Team“, die z.B. einen strengeren Schutz bei engen und schlecht belüfteten Räumen (z.B. bei Dreharbeiten in Fahrzeugen oder schlecht belüftbaren Kellerräumen) vorschlug.

Das Schutzstufenkonzept der Handlungshilfe ist eine vereinfachte Form der Risikoabschätzung. Im Rahmen einer detaillierten Gefährdungsbeurteilung vor Ort können sich auch geringere Sicherheitsanforderungen als die von der Handlungshilfe geforderten ergeben. Dafür lässt sich die sog. Risikomatrix der Produzentenallianz (vgl. Anlage 2) oder das Konzept der Initiative WirSind1Team (vgl. Anlage 3) als eine Art Öffnungsklausel nutzen.

Der „SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard – Empfehlungen für Filmproduktionen“ ist ein komplexes und nicht immer leicht verständliches Werk. Nachdem die Mitgliedsunternehmen sich mit dem neuen Standard vertraut gemacht und Fragen dazu gesammelt haben, werden wir kurzfristig – voraussichtlich am Dienstag, den 28.07.2020 und am darauffolgenden Dienstag, den 04.08.2020zwei Videokonferenzen für „Fragen und Antworten“ anbieten. Die Einladungen mit den genauen Uhrzeiten werden zeitnah per E-Mail verschickt werden.

Für dringende und kurzfristige Fragen steht außerdem unsere Corona-Hotline zur Verfügung (service-corona@produzentenallianz.de, 030-206 70 88-22). Fragen, die unsere Expert*innen nicht beantworten können, werden wir, soweit uns dies möglich ist, zügig mit den Verantwortlichen der BG ETEM zu klären versuchen.

Schließlich wird Oliver Castendyk über das Wochenende die „Fragen und Antworten zum SARS-CoV-2 Arbeitsschutzstandard –Empfehlungen für Filmproduktionen“ („FAQ“) überarbeiten, damit sie Anfang nächster Woche im internen Bereich für Mitglieder auf der Website der Produzentenallianz zur Verfügung stehen.

Die neue Handlungshilfe der BG ETEM basiert stets auf dem aktuellen, mit dem Robert Koch Institut rückgekoppelten Stand der Erkenntnisse und Ansteckungs-zahlen. Die Sicherheitsanforderungen sind deshalb dynamisch und können sich in den nächsten Wochen und Monaten auch wieder ändern. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Christoph Palmer                  Prof. Dr. Oliver Castendyk
Geschäftsführer                            Mitglied der Geschäftsleitung

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