Produzentenallianz: Unterhaltung muss Kernelement des öffentlich-rechtlichen Auftrages bleiben

Produzentenallianz betont nachdrücklich die Bedeutung der Unterhaltung als unverzichtbares Kernelement im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – Produzenten warnen vor Beeinträchtigung der Vielfaltssicherung durch Reduzierung des Schwerpunktauftrages – Vorgehen widerspricht Rechtsprechung des Bundesverfassungsgesetzes – Massive Nachteile für deutsche Produktionswirtschaft durch Schwierigkeit, Kultur und Unterhaltung trennscharf abzugrenzen

Berlin, 23. Oktober 2018. Vor dem Hintergrund nach wie vor geführter Diskussionen um eine Reduzierung des Auftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die Themen Information, Bildung und Kultur betont die Allianz Deutscher Produzenten – Film und Fernsehen e.V. (Produzentenallianz) nochmals nachdrücklich die Bedeutung der Unterhaltung als unverzichtbares Kernelement im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die maßgebliche Interessenvertretung der deutschen Produzenten von Film-, Fernseh- und anderen audiovisuellen Werken warnt davor, die Vielfaltssicherung in Deutschland durch eine staatsvertraglich festgeschriebene Reduzierung des Schwerpunktauftrages des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beeinträchtigen. Zudem betonen die Produzenten, dass ein solches Vorgehen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts widerspräche.

Alexander Thies, Vorsitzender der Produzentenallianz: „Seit dem ersten Rundfunkurteil hat das Bundesverfassungsgericht immer betont, dass die Unterhaltung zum Auftrag gehört. Zahlreiche Unterhaltungsprogramme wie beispielsweise die „heute-show“ oder Quizsendungen mit informativem Inhalt, aber auch Filme und Serien mit zeitgeschichtlichem Anspruch stellen einen funktionell bedeutenden Teil für die insbesondere vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk geforderte Meinungsbildung dar. Diese dient objektiv und gleichzeitig unterhaltend der Vielfaltssicherung. Zudem müssen die Anstalten laut Bundesverfassungsgericht ein ‚ernstzunehmender publizistischer Einflussfaktor’ bleiben. Diese Relevanz hängt auch in erheblichem Maße vom Umfang und der Qualität von Unterhaltungsprogrammen ab“.

Weiterhin weist die Produzentenallianz auf die negativen Folgen einer Reduzierung des Schwerpunktauftrages auf die Bereiche Kultur, Bildung und Information hin. Alexander Thies: „Kultur ist kein trennscharfer Begriff mehr. Der konkrete Inhalt des Kulturauftrages ist aufgrund der Schwierigkeiten, den Kulturbegriff zu konturieren, schwer zu bestimmen, zumal es einen rechtlichen Kulturbegriff nicht gibt. Eine Legaldefinition der Kultur stößt an Grenzen, da die Trennlinie zwischen Kultur und Unterhaltung nicht scharf gezogen werden kann. Eine Reduzierung des Unterhaltungsangebots aufgrund von Unsicherheiten in der Abgrenzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrages hätte für die deutsche Produktionswirtschaft fatale Folgen, da viele Arbeitsplätze der Kreativwirtschaft durch Unterhaltungsprogramme gesichert werden. Zudem entstünden den Kreativen in der Produktionswirtschaft auch im internationalen Wettbewerb massive Nachteile.

Es dient nicht dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und unserer Gesellschaft, wenn man ihn auf einzelne Genres verengt und seinen die Vielfalt der Lebenswirklichkeit entsprechenden Programmauftrag beschränkt. Wir fordern daher ein deutliches Bekenntnis, Unterhaltungsprogramme als Kernbestand des öffentlich-rechtlichen Auftrages zu belassen.“


Die Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen ist die maßgebliche Interessenvertretung der deutschen Produzenten von Film-, Fernseh- und anderen audiovisuellen Werken. Sie vereint rund 260 Produktionsunternehmen aus den Bereichen Animation, Dokumentation, Kinofilm, TV-Entertainment,
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