Einigung über neuen Tarifvertrag mit ver.di: 13. Stunde gesichert, Tarife erhöht

„Schmerzhaft, aber vertretbar“

Berlin, 2. März 2016 – Nach drei schwierigen, strittigen, aber immer auch konstruktiven Verhandlungsrunden haben sich ver.di und Produzentenallianz am 1. März in Berlin auf einen neuen Tarifvertrag für auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende einigen können, der ab 1. April 2016 zeitlich nahtlos an den auslaufenden Tarifvertrag von April 2014 anknüpft.

Der darin enthaltene Manteltarifvertrag gilt für vier Jahre bis Ende 2019. Darin bleibt es bei der Möglichkeit, am Set Arbeitszeiten von maximal 13 Stunden zu ermöglichen, um bei Dreharbeiten in Deutschland die notwendige Flexibilität zu erhalten und Beschäftigung zu sichern. Dies gilt bei historischen Event-Movies für 80 % der Drehtage, bei Kinofilmen für 60 %, bei fiktionalen Fernsehproduktionen wie Filmen, Serien und Reihen für 40 %, bei non-fiktionalen Formaten für 20 % und bei hochfrequenten Serien und Dailies für 10 % der Drehtage. Die Zuschläge, mit denen die Mehrarbeit vergütet wird, bleiben unverändert.

„Für die Produzentenallianz war die grundsätzliche Sicherung der 13. Stunde bei den Tarifverhandlungen existentiell“, erklärt Produzentenallianz-Geschäftsführer Dr. Christoph Palmer. „Dass wir uns damit gegenüber ver.di trotz heftiger Gegenwehr durchsetzen konnten, bedeutet für die Produzenten eine große Erleichterung und – durch die lange Laufzeit des Tarifvertrags von fast vier Jahren – eine langfristige Sicherheit bei den Kalkulationen.“

Der im neuen Tarifvertrag ebenfalls enthaltene Gagentarifvertrag wird für 21 Monate geschlossen und gilt vom 1. April 2016 bis zum 31. Dezember 2017. Hier konnte die Produzentenallianz die Anrechnung von Shuttlezeiten auf die Arbeitszeit ebenso abwehren wie Veränderungen an den Arbeitszeitkonten. Die Wochengagen werden zum 1. April in allen Gewerken der Gagentabelle als Sockelbetragserhöhung um einheitlich 30 Euro pro Woche  steigen, zum 1. Januar 2017 erfolgt eine weitere lineare Erhöhung um 3 %. „Die Erhöhungen sind schmerzhaft und gehen an die finanzielle Grenze des Möglichen“, erklären die Produzentenallianz-Verhandlungsführer Prof. Dr. Johannes Kreile und Dr. Christoph Palmer. „Die vernünftige Laufzeit der Vereinbarung sowie die Verständigung über die Arbeitszeiten haben den Abschluss gleichwohl vertretbar gemacht.“

Neu in die Gagentabelle aufgenommen werden vier Berufsbilder: Herstellungsleitung, Materialassistenz, Assistenz der Filmgeschäftsführung und Datawrangler bei HD-Produktionen. Für die in der Regel freiberuflich ausgeübten Berufsbilder Casting und Locationscout werden sich die Tarifpartner über die Angemessenheit von Honorarsätzen ins Benehmen setzen.

Beide Seiten verständigten sich ferner darüber, im Sommer einen gesonderten Tarifvertrag zu Volontariaten im Filmbereich abschließen zu wollen. Auch streben sie die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags beim Bundesarbeitsministerium an.

Zum Download: Der Tarifvertrag für auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende - TV FFS 2016 (gültig ab 1.4.2016)


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