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Presseschau

ZDF-Intendant Schächter: „Verlage bauen Popanz auf“

25. August 2008
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Im Interview mit dem „Magazin für politische Kultur“ Cicero sagt ZDF-Intendant Markus Schächter, in drei oder vier Jahren werde der Zuschauer „auf seinem Bildschirm nicht mehr wissen, was aus dem Fernsehen und was aus dem Internet kommt. Diese Entwicklung müssen die öffentlich-rechtlichen Sender aktiv begeleiten können.“

Zu den Reglementierungen, die den Öffentlich-Rechtlichen auferlegt werden sollen, sagt er: „Es ist für ZDF und ARD nicht nachvollziehbar, dass der Unterhaltungsauftrag für die Zukunft gekappt werden soll. Wer den homo ludens im Netz nicht bespielen darf, der hat im Netz verloren.“ Genauso realitätsfern sei die Forderung, „alle Beiträge und Sendungen nur sieben Tage im Netz stehen lassen zu dürfen. So etwas ist gegen die Logik des Netzes.“ Es verursache „keine zusätzlichen Kosten“, einen hervorragenden Bericht dauerhaft im Netz zu behalten.

Die Bestrebungen der Verlegerverbände, die Online-Aktivitäten der öfffentlich-rechtlichen begrenzen zu lassen, schätzt Schächter so ein: „Die Verlage bauen einen Popanz auf und sagen ,Diese Öffentlich-Rechtlichen erdrücken uns heute schon.’ In Wahrheit hat das ZDF im Online-Bereich einen Marktanteil von einem Prozent. Da kann von Erdrücken keine Rede sein. ,Diese Öffentlich-Rechtlichen haben sieben Milliarden Euro, sie werden uns auf Dauer überflügeln, wenn sie nur losgelassen werden’, warnen die Verlage. Die Wahrheit ist: Das ZDF gibt dafür in den nächsten vier Jahren jeweils gerade mal einundzwanzig Millionen Euro aus. Holtzbrinck allein wird in den nächsten Jahren fünfhundert Millionen investieren.“ Nicht der Abwehrkampf gegen die Öffentlich-Rechtlichen, sondern die Auseinandersetzung mit den globalen expansiven Internetriesen sei das Thema der Zukunft. „Wir Qualitätsjournalisten sind natürliche Verbündete in einem Netz, das Gefahr läuft, von unregulierbaren Internet-Suchmaschinen dominiert zu werden,“ sagt Schächter zu den Angeboten, mit den Verlagen im Netz zu kooperieren: „Ein Bildschirm für alles“ (frei zugänglich)

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